Paavo Johannes Nurmi (1897-1973) - unser Namensgeber

Steckbrief:

geboren: 13. Juni 1897 in Loimaa bei Turku
gestorben: 2. Oktober 1973 in Helsinki
Größe: 1,74 m
Gewicht: 65 kg
größte Erfolge: 9 x Olympiagold, 3 x Olympiasilber, 22 Weltrekorde

 

Der Finne Paavo Johannes Nurmi revolutionierte den Langstreckenlauf und galt jahrelang, vor allem auf den Strecken über 3000 m, als unschlagbar. Er praktizierte bereits in den zwanziger Jahren den Hochleistungssport, wie er jetzt üblich ist. In seiner besten Zeit trainierte Nurmi dreimal am Tag: Morgens stand ein 10-km-Lauf mit Sprints auf dem Programm, dann folgten Gymnastik und Körperpflege, anschließend ein 5-km-Lauf mit der Uhr, und abends lief er nochmals 4 bis 7 km. Intervall- und Hügelläufe und im Winter zusätzlich Schilanglauf waren Hauptbestandteile seines Trainingsprogramms.

Sein Gegner war die Zeit, nicht die Konkurrenz. Oft mit der Stoppuhr in der Hand – sich selbst kontrollierend - entnervte er mit seinem Anfangstempo die Konkurrenten. Durch Ausdauer, Kampfkraft, Selbstdisziplin und Siegeswillen setzte er mit insgesamt 22 Weltrekorden neue Maßstäbe im Langstreckenlauf. Zwischen 1920 und 1928 gewann er bei olympischen Spielen neun Goldmedaillen und 3 Silbermedaillen. Nur Leichathlet Carl Lewis, Schwimmer Mark Spitz und Turnerin Larissa Latynina haben später ebenfalls bei Olympischen Spielen 9 Goldmedaillen gewonnen.

Helsinki, 19. Juni 1924:
Nurmi gelang ein Doppelschlag, der Experten die Sprache verschlug: innerhalb von 50 Minuten lief er zwei Weltrekorde - zuerst 1500m in 3:52,6 min, dann 5000m in 14:28,2 min.

Olympia 1924 in Paris:
10. Juli: Innerhalb von 60 Minuten wird er Olympiasieger über 1500 m und 5000 m.
12. Juli: Bei mehr als 40 °C treten die Athleten zum olympischen Geländelauf über 10 650 m an. 24 kollabieren auf der Strecke, nur 15 kommen durch. 8 davon müssen auf der Bahre aus dem Zielraum getragen werden - der überlegene Sieger heißt Paavo Nurmi.
13. Juli: Gold im Teambewerb über 3000 m.

Auf Grund dieser Erfolge wurde er für die Wintersaison 1924/25 in die USA eingeladen. In einer Serie von 55 Läufen errang er 52 Siege! Er brachte damit „Finnland auf die Weltkarte“, so ein US-Reporter.

Von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles, wo er seine Sportler-Laufbahn mit einem Sieg im Marathonlauf krönen wollte, wurde er durch einen stark umstrittenen Beschluss des Internationalen Leichtathletik-Verbandes wegen „Verstoßes gegen das Amateurstatut“ ausgeschlossen. Startgeldzahlungen waren damals noch verboten, eine Spesenabrechnung in Königsberg wurde Nurmi zum Verhängnis.

In seiner Heimat durfte er weiter starten und siegen. 1933 konnte der 36jährige Nurmi als „Nationaler Amateur“ noch Finnischer Meister über 1500m werden.
1940 setzte er sich in den USA für Hilfe für sein Land gegen die Sowjetunion ein.
1952 wurde er rehabilitiert und konnte als Schlussläufer das olympische Feuer ins Stadion von Helsinki bringen.
Im Alter steckte der erfolgreiche Geschäftsmann Nurmi viel Geld in eine Stiftung zur Erforschung der Koronarkrankheiten – er selbst war davon betroffen – und zur Förderung der öffentlichen Gesundheit. Privat war Nurmi sehr in sich gekehrt und kontaktscheu, auch seine Ehe ging in Brüche. Für den introvertierten Läufer war Reden nicht einmal Silber, nur Laufen Gold. Er ließ seine Beine sprechen.

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Schon zu Lebzeiten wurde er für seine Erfolge im Laufsport geehrt, seit 1924 steht ein Bronzestandbild vom berühmten Bildhauer Väino Aaltonen vor dem Olympia-Stadion in Helsinki.

Olympische Spiele 1920 (Antwerpen)
  1. Rang 10.000m
  1. Rang 8.000m Gelände Einzel
  1. Rang 8.000m Gelände Mannschaft
  2. Rang 5.000m
 
Olympische Spiele 1924 (Paris)
  1. Rang 1.500m
  1. Rang 5.000m
  1. Rang 10.000m Gelände Einzel
  1. Rang 10.000m Gelände Mannschaft
  1. Rang 3.000m Mannschaft
 
Olympische Spiele 1928 (Amsterdam)
  1. Rang 10.000m
  2. Rang 5.000m
  2. Rang 3.000m Hindernis

Persönliche Bestzeiten (vorwiegend auf Aschenbahnen):

1.500m 3:52,6 (WR 1924 – 1926)
1 Meile 4:10,4 (WR 1923 – 1931)
3.000m 8:20,4 (WR 1926 – 1932)
2 Meilen 8:59,6 (WR 1931 – 1936)
5.000m 14:28,2 (WR 1924 – 1932)
10.000m 30:06,2 (WR 1924 – 1937)
Stundenlauf 19.210m (WR 1928 – 1945)

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